Die Jahreszeiten des Luigi Alfredo Ricciardi

So spannend Weihnachten („Per mano mia“) und Sommer („Il posto di ognuno“) waren, den Winter („Il senso del dolore“) habe ich dann nicht mehr derpackt. Maurizio de Giovannis einzelgängerischer Commissario mit den grünen Augen, der die guten Mörder immer laufen lässt, und sein Obelix Maione haben den Stoff („la stoffa“) für ein solides Krimipaar, wie es die Deutschen lieben; das Neapel des italienischen Faschismus, der aber immer dezent im Hintergrund bleibt, kann mit Ystad und Triest mithalten; und doch, als ich den für mich (in unchronologischer Reihenfolge) dritten Band aufblätterte, schlug mir nur Bekanntes entgegen, und ich dachte mir, nein, nicht noch einmal die ganze Exposition ein ganzes Buch hindurch. Denn so ist es: 90% Grundierung, 10% mäßige Dynamik, und doch hat Einaudi gemeint, den „Jahreszeiten“-Zyklus neu auflegen zu müssen, vermutlich, als man begriffen hatte, dass alles so schön zusammenpasst. Zu gut. Leider. So gut, dass schon kaum mehr ein Unterschied zwischen den Romanen bemerkbar ist.