Bei Pfifferlingen hört der Spaß auf!

Als ich vor einiger Zeit mit einer Wiener Freundin auf einer Almhütte in Südtirol Rast machte und der Kellner sie fragte, ob sie Sahne zum Kuchen haben wollte, antwortete sie pikiert: „Nein – und wenn schon, dann an‘ Schlag“. Der Kellner, der mit hegemonialen Attitüden österreichischer Touristen umzugehen verstand, erwiderte schmunzelnd, auch das könne sie gern haben; es sei allerdings das, was er von seiner Frau bekomme, wenn er abends zu spät nach Hause komme.

pfifferlingeEs ist auch das, was einer in Wien aufs Maul kriegt, wenn er den Cantharellus cibarius „Pfifferling“ nennt. Der geborene und niemals seinem imperialen Sprachmief entstiegene Ostösterreicher fühlt sich nämlich durch jede Abweichung von seiner eigenen Sprachverwendung in seiner labilen, weil auf Marmelade und Topfen schwimmenden Identität bedroht. Dass man seine „Eierschwammerl“ in Südtirol nicht kennt, glaubt er einem nicht – schließlich hat er das Land, das vor 100 Jahren „ihm“ gehört hat, auf der Fahrt nach Liknano oder Tschaorle schon einmal durchs Autofenster gesehen.